Mein dritter Tag bei der Berlinale aka Tag 10
Nach zwei für meine Landei-Verhältnisse recht aufregenden Tagen (wenn ich bei "Crank" den Part von Chev Chelios (Jason Statham) gespielt hätte, wären die Produktionskosten aufgrund meiner recht niedrigen Adrenalin-Schwellenwerte sicherlich beträchtlich geringer ausgefallen), dachte ich, dass der Tag ruhiger verlaufen würde: Ein Film ("Father of Invention") - und das war's. Aber es kommt eben häufiger anders, als man zuvor erwartet hat.
So durfte ich feststellen, dass ich mich nicht zum Stalker eigne, geschweige denn zum Paparazzo. Hier der Beweis:

Wie man sieht, sieht man nicht viel. Wäre ich direkt, hätte ich ihn angesprochen und um ein Bild gebeten: Dave Thomson, seines Zeichens angesehener Filmkritiker (falls es so etwas überhaupt gibt), den ich mir mittwochs angesehen hatte. Direkt bin ich nur Frauen gegenüber, und das endet zumeister (= häufiger als zumeist) mit einem Korb. Ich folgte ihm aber trotzdem, so nah aufschließend, dass ich ihn an bei der Überquerung der Leipziger Str. fast vor ein heranbrausendes Fahrzeug stieß (ok, hier liegt Übertreibung an der Hand - habe wohl zu viele Filme gesehen in letzter Zeit). Zielstrebig steuerte er auf das Ritz Carlton zu, ich riss mich also zusammen und zu folgendem Dialog hin:
Ich (mit stotternder Stimme): Hello, you must be Mr. Thompson.
Er (souverän): Yes...?
Ich (weiterhin unsicher): I've seen you at the panel on wednesday, and I just wanna say, um, that I really appraciated, um, appreciated your statements on critics.
Er (flattered): Well, thank you, my dear (ok, Letzteres ist Produkt meiner Phantasie, so stelle ich mir Engländer eben vor: Immer höflich).
Ich (gedacht): I wanna become a critic myself, what do you think: Do I have the guts for it?
Ich (gesagt): Is it difficult to tell, if you gets asked by people right after the show, what your opinion is of that and that movie? For me, I am not.
Er (nachsichtig): Yes, you learn it by the time, to have it ready quite soon. (und er wischt sich verstohlen eine Träne weg - bin ich es, der ihn rührt, mit meiner Naivität? ist er es, der ihn rührt? oder ist es der Wind, der ihn rührt? Ich werde es nicht erfahren, denn ich bin am Ende mit all meinen ach so tiefschürfenden Fragen und er zieht von dannen stracks ins Ritz Carlton. Ich bleibe noch etwas unschlüssig stehen und dackel dann heim - nicht ganz ohne Stolz, dass ich meinen Schatten übersprungen habe, wenngleich nicht mit großem Effekt. Aber das brauche ich wie oben erwähnt nicht wegen meiner Anfälligkeit für Adrenalin.)
Artist comes from Art
Gemäß diesem Motto und aufgrund des Mangels offensichtlicher Filmkünstler begebe ich mich gerne in den faszinierenden Raum der Subkultur, den man nicht zufällig häufig auf Klos findet. Ein Beispiel gefällig?

Un der Film?
Da war ja auch noch ein Film...
Richtig: "Father of Invention" von Trent Cooper. Wie der Filmvorführer/Manager/Whatever verlauten läßt, ist Trent Cooper mittlerweile schon wider heimgeflogen, aber seine Präsenz liegt immer noch im Raum (was erzähle ich da für einen Mumpitz?). Zum Film:
Im Prinzip jeder Film folgt in seinem Erzählen dem Paradigma aristotelischer Dramentheorie, dass ein Held oder König (besser ist der hochgestellte König) dazu bestimmt ist, tief zu stürzen. Dies macht das wahre Drama aus, das will der Zuschauer sehen. Und Robert Axle (dankbar gespielt von Kevin Spacey) ist das Paradebeispiel von einem König; er ist DER Verkäufer von selbst fabrizierten Gerätschaften. Er erfindet nichts Neues, er fabriziert, d. h. verbindet zwei schon bestehende Prinzipien zu einem neuen: Er ist ein Fabricator. Und wie gesagt der Beste mit einem Imperium unter sich. 10 Jahre später ist von diesem Imperium nichts als Trümmer übrig: Er wird gerade aus der Haft entlassen, nachdem eine seiner Fabrikationen unzählige seiner Kunden an den Händen verstümmelt hat. Diese Artefakte seines grandiosen Scheiterns verfolgen ihn nun bei seinem Bestreben, wieder Fuß zu fassen. Er ist überzeugt: Nur eine gute Idee, und er ist rehabilitiert. Vor allem bei seiner Familie, die er über die Arbeit damals verloren hatte. Vor dem Nichts stehend bittet er um Unterschlupf bei seiner Tochter. Diese verhält sich verständlicherweise (und das Skript verlangt von seinem Helden gesetzmäßig nunmal das Überwinden möglichst vieler, möglichst hoher Widerstände) abweisend, nimmt ihn schließlich, aber nicht endlich mit dem Hinweis auf ein Ultimatum, innerhalb von 30 Tagen einen Job zu finden, auf. Doch die Idee bleibt weiter aus und Robert stiftet im Bemühen, Gutes zu tun, weiteres Unheil (na, klingt das nicht nach einem klaren Fall tragischer Ironie?).
Die Rolle des Robert Axle ist Kevin Spacey auf den zugegebenermaßen dicker gewordenen Leib geschneidert und es ist ein Vergnügen, ihn als ständiges Stehaufmännchen zu beobachten. Begleitet wird er unter anderem dabei von Virgina Madsens gräßlichen Gesangskünsten sowie Heather Graham, die als Kampflesbe doch nur um die richtige Form ihrer Brüste bemüht ist (ich weiß, eine Reduzierung meinerseits, doch ich mag sie).
Meiner Natur treu bleibend habe ich nach dem Film keinen nach seiner Meinung gefragt und als Ansatz-Stalker nur belauscht.
Meine Meinung vorab: Ein Film, der Spaß macht, mit einem Helden in seinem Scheitern, der noch mehr Spaß macht. Die gehörte Meinung: "So schön seicht." Was für eine Fallhöhe!
So durfte ich feststellen, dass ich mich nicht zum Stalker eigne, geschweige denn zum Paparazzo. Hier der Beweis:

Wie man sieht, sieht man nicht viel. Wäre ich direkt, hätte ich ihn angesprochen und um ein Bild gebeten: Dave Thomson, seines Zeichens angesehener Filmkritiker (falls es so etwas überhaupt gibt), den ich mir mittwochs angesehen hatte. Direkt bin ich nur Frauen gegenüber, und das endet zumeister (= häufiger als zumeist) mit einem Korb. Ich folgte ihm aber trotzdem, so nah aufschließend, dass ich ihn an bei der Überquerung der Leipziger Str. fast vor ein heranbrausendes Fahrzeug stieß (ok, hier liegt Übertreibung an der Hand - habe wohl zu viele Filme gesehen in letzter Zeit). Zielstrebig steuerte er auf das Ritz Carlton zu, ich riss mich also zusammen und zu folgendem Dialog hin:
Ich (mit stotternder Stimme): Hello, you must be Mr. Thompson.
Er (souverän): Yes...?
Ich (weiterhin unsicher): I've seen you at the panel on wednesday, and I just wanna say, um, that I really appraciated, um, appreciated your statements on critics.
Er (flattered): Well, thank you, my dear (ok, Letzteres ist Produkt meiner Phantasie, so stelle ich mir Engländer eben vor: Immer höflich).
Ich (gedacht): I wanna become a critic myself, what do you think: Do I have the guts for it?
Ich (gesagt): Is it difficult to tell, if you gets asked by people right after the show, what your opinion is of that and that movie? For me, I am not.
Er (nachsichtig): Yes, you learn it by the time, to have it ready quite soon. (und er wischt sich verstohlen eine Träne weg - bin ich es, der ihn rührt, mit meiner Naivität? ist er es, der ihn rührt? oder ist es der Wind, der ihn rührt? Ich werde es nicht erfahren, denn ich bin am Ende mit all meinen ach so tiefschürfenden Fragen und er zieht von dannen stracks ins Ritz Carlton. Ich bleibe noch etwas unschlüssig stehen und dackel dann heim - nicht ganz ohne Stolz, dass ich meinen Schatten übersprungen habe, wenngleich nicht mit großem Effekt. Aber das brauche ich wie oben erwähnt nicht wegen meiner Anfälligkeit für Adrenalin.)
Artist comes from Art
Gemäß diesem Motto und aufgrund des Mangels offensichtlicher Filmkünstler begebe ich mich gerne in den faszinierenden Raum der Subkultur, den man nicht zufällig häufig auf Klos findet. Ein Beispiel gefällig?

Un der Film?
Da war ja auch noch ein Film...
Richtig: "Father of Invention" von Trent Cooper. Wie der Filmvorführer/Manager/Whatever verlauten läßt, ist Trent Cooper mittlerweile schon wider heimgeflogen, aber seine Präsenz liegt immer noch im Raum (was erzähle ich da für einen Mumpitz?). Zum Film:
Im Prinzip jeder Film folgt in seinem Erzählen dem Paradigma aristotelischer Dramentheorie, dass ein Held oder König (besser ist der hochgestellte König) dazu bestimmt ist, tief zu stürzen. Dies macht das wahre Drama aus, das will der Zuschauer sehen. Und Robert Axle (dankbar gespielt von Kevin Spacey) ist das Paradebeispiel von einem König; er ist DER Verkäufer von selbst fabrizierten Gerätschaften. Er erfindet nichts Neues, er fabriziert, d. h. verbindet zwei schon bestehende Prinzipien zu einem neuen: Er ist ein Fabricator. Und wie gesagt der Beste mit einem Imperium unter sich. 10 Jahre später ist von diesem Imperium nichts als Trümmer übrig: Er wird gerade aus der Haft entlassen, nachdem eine seiner Fabrikationen unzählige seiner Kunden an den Händen verstümmelt hat. Diese Artefakte seines grandiosen Scheiterns verfolgen ihn nun bei seinem Bestreben, wieder Fuß zu fassen. Er ist überzeugt: Nur eine gute Idee, und er ist rehabilitiert. Vor allem bei seiner Familie, die er über die Arbeit damals verloren hatte. Vor dem Nichts stehend bittet er um Unterschlupf bei seiner Tochter. Diese verhält sich verständlicherweise (und das Skript verlangt von seinem Helden gesetzmäßig nunmal das Überwinden möglichst vieler, möglichst hoher Widerstände) abweisend, nimmt ihn schließlich, aber nicht endlich mit dem Hinweis auf ein Ultimatum, innerhalb von 30 Tagen einen Job zu finden, auf. Doch die Idee bleibt weiter aus und Robert stiftet im Bemühen, Gutes zu tun, weiteres Unheil (na, klingt das nicht nach einem klaren Fall tragischer Ironie?).
Die Rolle des Robert Axle ist Kevin Spacey auf den zugegebenermaßen dicker gewordenen Leib geschneidert und es ist ein Vergnügen, ihn als ständiges Stehaufmännchen zu beobachten. Begleitet wird er unter anderem dabei von Virgina Madsens gräßlichen Gesangskünsten sowie Heather Graham, die als Kampflesbe doch nur um die richtige Form ihrer Brüste bemüht ist (ich weiß, eine Reduzierung meinerseits, doch ich mag sie).
Meiner Natur treu bleibend habe ich nach dem Film keinen nach seiner Meinung gefragt und als Ansatz-Stalker nur belauscht.
Meine Meinung vorab: Ein Film, der Spaß macht, mit einem Helden in seinem Scheitern, der noch mehr Spaß macht. Die gehörte Meinung: "So schön seicht." Was für eine Fallhöhe!
Elman Smithee - 19. Feb, 16:55