Sonntag, 21. Februar 2010

Mein vierter Tag auf der Berlinale - Tag 11

Und der Gewinner des Goldenen Bären geht nach: Schweden

Nun , nicht ganz, aber kurz davor. Der schwedische Regisseur Ruben Östlund war demnach nur der Preisträger für den besten Kurzfilm, was mich als Schwedenfan natürlich immens freut. Aber was heißt hier nur? Ist ein Kurzfilm nicht auch ein Film, der sich von einem Langfilm lediglich durch die Vorsilbe unterscheidet? Eine rhetorische Frage, gewiss. Denn diese vereinfachende Unterscheidung würde keinem der beiden Medien gerecht werden. Kurz- wie Langfilm stellen für mich zwei Parallel-Universen dar, die durch ein paar Wurmlöcher miteinander verbunden, ansonsten aber separat zu verstehen sind. Das literarische Äquivalent Kurz- vs. (Lang-)Geschichte gilt entsprechend. Aber für eine weiterführende Differenzierung reicht dieser Blog nicht aus und ich verweise daher auf einschlägige Literatur. Nur soviel: Ebenso wie Kurzgeschichten können Kurzfilme auch eine unvergleichliche Sogwirkung erzeugen, wenn sie gut gemacht sind und funktionieren. Ich persönlich favourisiere allerdings den Langfilm, da er sich mehr Zeit zur Figurenzeichnung nehmen kann und die Story somit im besten Falle mit mehr Tiefe versorgt.

Natürlich habe ich auch wieder einen visuellen Eindruck mitgebracht.

Schlange-stehen-um-ins-Licht-zu-gehen-
Symbolisch: Manchmal muss man auch Schlange stehen, um ins Licht gehen zu können.

Die Filmvorführerin bat darum, dass man sie bitte nicht noch einmal überrennen möge. Das wiederum warf die Cartoon-Maschine in meinem Kopfkino an.
Mehr Infos zu den übrigen Preisträgern der Berlinale Shorts finden sich hier:

Das Talent in jedem von uns

Und nun zum Langfilm, den ich am Tag 11 sehen durfte. Er stammt vom englischen Regisseur Michael Winterbottom und hat eine grundsätzlich positive Message: Jeder hat ein Talent in sich schlummern, das er nur allzu gerne hervorkehren möge. Dass dieses Talent zum Guten wie zum Bösen geraten sein kann, steht allerdings nur im Nebensatz. The Killer Inside Me lässt erahnen, über welches Talent Lou Ford (heiser-diabolisch gespielt von Casey Affleck) verfügt. Der Film, im Ansatz als Noir-Thriller angelegt, ist definitiv nichts für zarte Gemüter (tatsächlich sind die ersten ZuschauerInnen nach der ersten Gewaltszene aus dem Kino rausgegangen). Andererseits zieht einen (unter anderem mich) die Dreistigkeit, mit der Winterbottom das Böse im Film wie auch im Anti-Helden inszeniert, in seinen Bann.
Die Story ist dabei schnell erzählt: Junger Hilfssheriff soll Prostituierte (hübsch auch in brünetter Version: Jessica Alba) aus der Sauberstadt vertreiben, verfällt ihren Reizen, plant mit ihr, einen reichen Naivling auszunehmen, überlegt es sich anders, mordet, kommt immer wieder damit durch bis mehr und mehr Leute Verdacht schöpfen; noch mehr Morde geschehen, dramatisches Finale, Ausblende in ein schön klassisch geschwungenes "The End".
Der Plot hält sich mit allen (aber nicht vielen) Nebensträngen für ausgebufft, doch überzeugt nicht ganz (oder ist das nur Strategie auf der konzeptionellen Meta-Ebene?). Auch die Genese vom netten Hilfssheriff zum irren Psychopathen lässt sich nicht wirklich nachvollziehen: Es wird dem Zuschauer sehr schnell klar, dass Lou Ford kein Mr. Nice-Guy ist. Warum aber merken das die Leute in seiner unmittelbaren Umgebung nicht, wie konnte er sie alle nur so lange täuschen? Warum stehen all die Frauen, mit denen er "sexual intercourse" hat, auf Schmerzen?
Also nicht das Was? der Inszenierung ist von Interesse, sondern das Wie?. Sind wir hier Zeuge einer Ästhetizierung (des Hässlichen) der Gewalt oder einer Bagatellisierung derselbigen? Sollen wir mehr Mitleid mit den Opfern oder mehr mit dem Täter haben, der den Killer vielleicht doch nicht schon immer in sich trug, sondern implementiert bekommen hat, wie es Backflashs suggerieren? Nature vs. Nurture?
Es bleiben Fragen, auf die es keine Antwort gibt. Und es bleiben Bilder, die den Film noch länger nachwirken lassen. Ein Qualitätshinweis?

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