Wortkarg in den Frühling - der letzte Tag der 60. Internationalen Filmfestspiele Berlin
Nun sind auch die 60. Internationalen Filmfestspiele Berlin wieder Geschichte...
...und auch ich bin wieder daheim in der Aachener Provinz.
Nicht aber ohne bleibende Eindrücke mitgenommen zu haben und das Versprechen, im nächsten Jahr mit Akkreditierung anzureisen. So werde ich dann vielleicht nicht nur im Schatten einer Lichtgestalt der diesjährigen Berlinale stehen (doch, Ben, du bist einer meiner Helden, du Stehaufmännchen in der Fiktion!), sondern einem Schauspieler aus Fleisch und Blut meine Schweiß-getränkte Patschehand entgegenhalten, zur Begrüßung oder zum Interview.

Ganz unbescheiden: Elman Smithee mit Markenzeichen Schwedenschal seitlich unter Ben Stiller
Das Foto stammt aus einer Sammlung von Portraits aller (ich habe es nicht überprüft, noch überprüfen lassen) Starrs (nicht jeder, der irgendwo unter starring steht, ist gleich auch ein Star), der auf der Berlinale zugegen war, um sich ablichten zu lassen. Zu finden die Sammlung im Berlinale-Palast, wo ich den letzten Film sehen durfte: En ganske snill mann von Hans Petter Moland, ein norwegischer Beitrag mit Stellan Skarsgårdin der Hauptrolle. Der Film, ein doppelter Gewinn: Nicht nur versöhnte er mich mit meinen Freunden, die ich tags zuvor schon in The Killer Inside Me mitgeschleppt hatte, was nicht unbedingt positiv von ihnen aufgenommen war. Zum Anderen war es einfach ein weiterer toller Beitrag - natürlich aus einem skandinavischen Land. Interessant waren indes die Parallelen zum Film von Michael Winterbottom. In beiden Filmen gibt es Gewalt und Sex. Wobei diese beiden Komponenten in unterschiedlichem Maße vertreten sind. In En ganske snill mann bleibt die Gewalt weitestgehend implizit und verfolgt noch einer nachvollziehbaren Motivik (Eifersucht, Schutz schwacher Frauen vor ihren gewalttätigen Ehefrauen, Erlösung eines armseligen Lebens). Was den Sex angeht, sind beide Filme ernsthafte Konkurrenten, nicht aber in der Inszenierung. In der norwegischen Version entbehrt Sex jedweder Ästhetisierung, ist pragmatisch abgewischt an der Unterhose, die auf dem Tablett mit dem leeren Geschirr landet, und Ausdruck des Dankes für eine gute Mahlzeit.
Sex als Geste des Erbarmens
Ulrik (Schwedens langjähriger Luxus-Exportartikel schauspielerischer Art mit unmöglicher Frisur: Stellan Skarsgård) tut sein Bestes, um der feine Kerl zu sein, den der Titel (in Übersetzung) suggeriert: 12 Jahre, nachdem er wegen Mordes eingesessen hatte, versucht er sein Leben wieder in den Griff zu kriegen (nicht nur wegen der Frisur drängt sich ein Vergleich zu Kevin Spaceys Rolle auf, wenngleich ein hinkender). Doch er soll Rache nehmen an dem, der ihn damals in den Knast gebracht hat; so will es sein Gangster-Bösschen aus alten Tagen. Auf seinem Weg ins neue Leben schliddert Ulrik von einem Malheur ins nächste, wobei er immer wieder seinem Mann stehen muss (dafür wird aber auch lecker gekocht und lernt man die Heiligen in ihrer Anpreisung neu kennen).
Eine Komödie wie eine Nussknacker-Suite auf Bossa-Nova: Rührend und beschwingt. Aber mehr beschwingt.
Show must go on
Und wenn die Berlinale auch zu Ende gegangen sein mag - ein Hoffnungsschimmer bleibt:

Die einen gehen zwar, doch die nächsten Zuschauer stehen schon wieder Schlange: Für die 61. Internationalen Filmfestspiele 2011. Der Rote Teppich steht bereit, wieder glamourös beschritten zu werden.
...und auch ich bin wieder daheim in der Aachener Provinz.
Nicht aber ohne bleibende Eindrücke mitgenommen zu haben und das Versprechen, im nächsten Jahr mit Akkreditierung anzureisen. So werde ich dann vielleicht nicht nur im Schatten einer Lichtgestalt der diesjährigen Berlinale stehen (doch, Ben, du bist einer meiner Helden, du Stehaufmännchen in der Fiktion!), sondern einem Schauspieler aus Fleisch und Blut meine Schweiß-getränkte Patschehand entgegenhalten, zur Begrüßung oder zum Interview.

Ganz unbescheiden: Elman Smithee mit Markenzeichen Schwedenschal seitlich unter Ben Stiller
Das Foto stammt aus einer Sammlung von Portraits aller (ich habe es nicht überprüft, noch überprüfen lassen) Starrs (nicht jeder, der irgendwo unter starring steht, ist gleich auch ein Star), der auf der Berlinale zugegen war, um sich ablichten zu lassen. Zu finden die Sammlung im Berlinale-Palast, wo ich den letzten Film sehen durfte: En ganske snill mann von Hans Petter Moland, ein norwegischer Beitrag mit Stellan Skarsgårdin der Hauptrolle. Der Film, ein doppelter Gewinn: Nicht nur versöhnte er mich mit meinen Freunden, die ich tags zuvor schon in The Killer Inside Me mitgeschleppt hatte, was nicht unbedingt positiv von ihnen aufgenommen war. Zum Anderen war es einfach ein weiterer toller Beitrag - natürlich aus einem skandinavischen Land. Interessant waren indes die Parallelen zum Film von Michael Winterbottom. In beiden Filmen gibt es Gewalt und Sex. Wobei diese beiden Komponenten in unterschiedlichem Maße vertreten sind. In En ganske snill mann bleibt die Gewalt weitestgehend implizit und verfolgt noch einer nachvollziehbaren Motivik (Eifersucht, Schutz schwacher Frauen vor ihren gewalttätigen Ehefrauen, Erlösung eines armseligen Lebens). Was den Sex angeht, sind beide Filme ernsthafte Konkurrenten, nicht aber in der Inszenierung. In der norwegischen Version entbehrt Sex jedweder Ästhetisierung, ist pragmatisch abgewischt an der Unterhose, die auf dem Tablett mit dem leeren Geschirr landet, und Ausdruck des Dankes für eine gute Mahlzeit.
Sex als Geste des Erbarmens
Ulrik (Schwedens langjähriger Luxus-Exportartikel schauspielerischer Art mit unmöglicher Frisur: Stellan Skarsgård) tut sein Bestes, um der feine Kerl zu sein, den der Titel (in Übersetzung) suggeriert: 12 Jahre, nachdem er wegen Mordes eingesessen hatte, versucht er sein Leben wieder in den Griff zu kriegen (nicht nur wegen der Frisur drängt sich ein Vergleich zu Kevin Spaceys Rolle auf, wenngleich ein hinkender). Doch er soll Rache nehmen an dem, der ihn damals in den Knast gebracht hat; so will es sein Gangster-Bösschen aus alten Tagen. Auf seinem Weg ins neue Leben schliddert Ulrik von einem Malheur ins nächste, wobei er immer wieder seinem Mann stehen muss (dafür wird aber auch lecker gekocht und lernt man die Heiligen in ihrer Anpreisung neu kennen).
Eine Komödie wie eine Nussknacker-Suite auf Bossa-Nova: Rührend und beschwingt. Aber mehr beschwingt.
Show must go on
Und wenn die Berlinale auch zu Ende gegangen sein mag - ein Hoffnungsschimmer bleibt:

Die einen gehen zwar, doch die nächsten Zuschauer stehen schon wieder Schlange: Für die 61. Internationalen Filmfestspiele 2011. Der Rote Teppich steht bereit, wieder glamourös beschritten zu werden.
Elman Smithee - 22. Feb, 08:49